amnesty international

Krieg gegen Terror - ein Krieg gegen Kinder?

Genau wie alle Gefangenen, werden diese Jugendlichen als feindliche Kämpfer betrachtet, die eine Gefahr für die Sicherheit der USA darstellen. Alter ist kein entscheidender Faktor für die Haft. (US Verteidigungsministerium, Januar 2004)

 

Dass im Namen des "Kriegs gegen den Terror" oft Folter, willkürliche Inhaftierung und andere schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen erfolgt sind, wissen viele. Dass darunter nicht nur Erwachsene, sondern tausende Kinder als Opfer betroffen sind, wissen viel zu wenig. Denn auch Kinder sind im Namen des Kriegs gegen den Terror willkürlich inhaftiert worden, ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Anklage oder Prozess und sie werden dabei Opfer von Folter oder anderer grausamer und erniedrigender Behandlung. Einige sind gezielt entführt oder festgenommen worden, um Druck auf deren Verwandten auszüben. Wieder andere leiden zu Hause unter der Abwesenheit ihrer Väter, Brüder oder anderer Familienmitglieder die, manchmal schon seit Jahren, inhaftiert sind.

 

Beispiel Guantánamo:

Die US Behörden haben zugegeben, zuletzt 17 Minderjährige in Guantanamo Bay festzuhalten, andere Experten vermuten aber, dass die Zahl viel höher ist. Nur drei der Kinder und Jugendlichen, die in Guantanamo inhaftiert worden sind, wurden separat von den erwachsenen Häftlingen festgehalten, obwohl internationales Recht speziellen Schutz für inhaftierte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vorschreibt. Die anderen werden unter den gleichen harten Bedingungen wie Erwachsene festgehalten.

Mohammed al-Gharani, der ein Staatsbürger von Tschad ist und in Saudiarabien geboren wurde, wurde 2004 bei einem Überfall in einer Moschee in Karachi, Pakistan festgenommen. Er war zu der Zeit ungefähr vierzehn Jahre alt. Dort wurde er schwer misshandelt und gefoltert, bevor er den amerikanischen Sicherheitskräften überreicht wurde - angeblich zu einem Kaufpreis von $5,000. Er wurde von disen als "Nigger" - Neger - verspottet - das erste englische Wort, so meinte er, dass er gelernt hat. Jetzt ist er in Guantanamo, wo ihm jeglicher Kontakt mit seiner Familie verweigert wurde: wenn er einen Brief bekommen will, muss er mitmachen, sagt das Verhörpersonal. Mohammed al-Gharani hat schon zweimal versucht, sich umzubringen.

 

Beispiel Pakistan:

Wie schon das letzte Beispiel zeigt - nicht nur die US-Regierung ist Schuld an Menschenrechtsverletzungen gegenüber Kindern in diesem Kontext. amnesty international ist zutiefst besorgt über Verstoße gegen die Menschenrechte, die in Pakistan im Namen des Kampfes gegen dem Terrorismus begangen worden sind. Viele der Inhaftierten in Guantánamo - auch Minderjährige - sind von Pakistan ausgeliefert worden. Von vielen weiteren Kindern, die alleine oder mit älteren Verwandten einfach verschwunden sind, gibt es nach wie vor keine Auskunft über ihren Aufenthaltsort.

 

Hafiz Abdul Basit, zwölf Jahre alt, ist vor zwei Jahren inhaftiert worden. Die Polizei in Faisalabad gab zu, dass er festgenommen worden war, doch haben sie alle weitere Zuständigkeit von sich gewiesen und an das örtliche Gericht verwiesen. Dieses wiederum sagte, das Militär sei für den Fall zuständig. Der Aufenthaltsort von Hafiz Abdul Basit bleibt unbekannt.

 

Yusuf al-Khalid war neun, sein Bruder Abed al-Khalid nur sieben, als sie mit ihrer Mutter zusammen im September 2002 festgenommen wurden. Berichten zufolge wurden sie den amerikanischen Kräften übergeben, um ihren Vater, mutmaßlich ein al-Kaida-Führer, unter Druck zu setzen. In einem offenen Brief an Präsident Musharraf hat ai in 2004 die Regierung von Pakistan aufgefordert, das Schicksal von Kindern die in ähnlichen Fällen festgehalten werden, zu untersuchen. Bislang gab es keine Antwort.